
Reisebericht Studiosus Wander-Studienreise Jordanien 26.09. – 06.10.2010
Welche Beweggründe veranlassen Menschen dazu, in ein Land wie Jordanien zu reisen?
In diesem Land - so die landläufige Meinung - ist die Wahrscheinlichkeit, einem terroristischen Anschlag zum Opfer zu fallen extrem hoch. Die Frauen, auch Touristinnen müssen sich verschleiern und ein freies Bewegen im Land sei fast unmöglich.
So die Theorie. Aber es gibt doch noch ein paar Menschen, die sich der Faszination Petras, des Roten Meeres und des Toten Meeres nicht entziehen können und sich vor Ort ein Bild vom Leben der jordanischen Bevölkerung machen wollen.
Zu diesen Entdeckern gehören auch wir, und so traten wir Ende September die Studiosus Wanderreise „Berge und Wüsten“ an.
Nach kurzem 4-stündigen Flug landeten wir in Amman, wo uns ein Studiosus Vertreter empfing und uns bei den Einreiseformalitäten behilflich war.
Auf der Fahrt zum Hotel konnten wir schon erste Eindrücke von diesem, doch ganz anderen Land gewinnen.
Schon am nächsten Tag waren wir mitten drin, im bunten Treiben Jordaniens.
Die Highlights der ersten Tage waren die arabische Befestigungsanlage Qalaat al-Rabadh bei Adschlun, das antike Jerash (Gerasa), die Zitadelle von Amman und die Kreuzritterburg Kerak. Eine mittlere Wanderung von ca. 3-4 Stunden durch die karge und schroffe Landschaft des Hochlandes fehlte natürlich auch nicht.
Gerasa hat uns dabei besonders beeindruckt, denn die frühere römische Handelsstadt ist außerordentlich gut erhalten. Zu sehen sind heute neben dem ellipsenförmigen römischen Marktplatz zahlreiche Bäder, zwei Theater, Torbögen, 500 Säulen, die die einstige Hauptstraße säumten, ein römischer Aquädukt und die Reste des kolossalen Artemistempels mit sechs 16 m hohen Säulen.
Am 4. Tag erwartete uns der Höhepunkt dieser Reise, die Felsenstadt Petra.
Das von Studiosus gebuchte Hotel liegt direkt am Eingang, so dass wir schon in aller Frühe die Stadt betreten konnten.
Thomas Edward Lawrence schrieb in seinem Werk Die sieben Säulen der Weisheit: "Petra ist der herrlichste Ort der Welt." Er war aber der Meinung, jede Beschreibung müsse vor dem eigenen Erleben der Stadt verblassen.
Dieses ist genau das, was man empfindet, wenn man den Siq betritt.
Leider können Worte nicht beschreiben, wie schön und phänomenal diese Stadt ist.
Nicht nur das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe und 25 m breite Khazne al-Firaun, das "Schatzhaus des Pharao", sondern auch das römische Theater, die Gräber der Königswand und das einstige Stadtzentrum sind unbeschreiblich schön.
Es herrscht in Petra eine nicht zu beschreibende Atmosphäre, die jeden Besucher gefangen nimmt.
Wir verbrachten 3 volle Tage in Petra und Umgebung und unternahmen einzigartige Wanderungen zum Opferplatz, zum Felsgrab Ed Deir, zum Aaronsberg und im Wadi Musa.
Die Wanderungen waren teilweise recht anspruchsvoll (durch Hitze, Geröll, Sand, Felsen und die Höhenmeter hervorgerufen), jedoch war jeder zurückgelegte Meter die Mühe wert.
Wer einmal das Gefühl erlebt hat, nach 5 Stunden auf dem Aaronsberg zu stehen und über die Weite des Landes zu blicken, wird dieses Gefühl nie vergessen.
Wir nahmen alle mit ein wenig Wehmut am 7. Tag Abschied von Petra und fuhren ins Wadi Ram, welches durch seine massiven Granit- und Sandsteinformationen geprägt ist.
Im Jeep und auch zu Fuß genossen wir die Landschaft, die an die Namib Wüste in Namibia oder an das Monument Valley in Amerika erinnert.
Spätestens beim Anblick des roten Sandes, der hohen Dünen, der Beduinenbehausungen, der Kamele und der Felszeichnungen fühlten wir uns ins Land von 1001 Nacht zurückversetzt.
Gegen Nachmittag ging die Reise weiter nach Akaba am Roten Meer, wo uns eine extreme Hitze (45 Grad) erwartete.
Da kam das Faulenzen am nächsten Tag am Hotelpool, das Schnorcheln im Meer und das Ausspannen an der Bar genau richtig. Die Hotelanlage des RAS lädt dazu ein, noch ein paar Tage Urlaub dort zu verbringen. Die Zimmer sind modern und gemütlich; das Buffet einfach nur unbeschreiblich vielfältig und lecker und auch sonst fühlt man sich bestens aufgehoben und verwöhnt.
Leider mussten wir nach nur 2 Übernachtungen dieses herrliche Resort verlassen.
Die Reise ging weiter in das Dana Naturschutzgebiet, in dem wir eine sehr informative Führung mit einem Ranger unternahmen. Auch hier waren die gesammelten Eindrücke von Flora und Fauna überwältigend.
Am Toten Meer angekommen, konnten wir uns zwischen Badetag oder Besichtigung biblischer Plätze entscheiden. Wir entschieden uns für die Besichtigung der Taufstelle Jesus, des Berg Nebo und des Bodenmosaiks von Madaba.
Leider sind diese Plätze völlig überlaufen, so dass man diese Orte nicht auf sich wirken lassen kann. Alles ist total kommerzialisiert und der christliche Glaube weit in den Hintergrund gerückt.
Es war eine Erfahrung, die wir so nicht erwartet hatten und die ich persönlich auch nicht noch einmal brauche.
Umso mehr freute man sich, am Nachmittag in den Fluten des Toten Meeres zu baden.
Es ist schon ein Erlebnis, wenn man, wie ein Käfer auf dem Rücken im Salzsee badet.
Auch die Schlammpackungen haben irre Spaß gemacht und hinterließen samtweiche Haut.
Leider war es auch schon der letzte Tag unserer Rundreise und wir wurden in der Nacht abgeholt, um unseren Heimflug nach Deutschland anzutreten.
Fazit:
Es war eine faszinierende Reise mit sehr vielen Facetten.
Die Landschaft und die Bauwerke waren einfach unbeschreiblich schön.
Wir wurden überall sehr freundlich und unaufdringlich aufgenommen und man fühlte sich zu keiner Zeit unsicher.
Auch die Wanderungen haben alle Erwartungen übertroffen, da sie von einer nie gekannten Vielfältigkeit waren. Allerdings sollte man über eine gewisse Trittsicherheit und Kondition verfügen.
Die Lage der Hotels ist sehr gut gewählt, da man keine überflüssigen Fahr- / Laufzeiten hat.
Auch das Ambiente, die Zimmer und die Verpflegung lassen kaum Wünsche übrig.
Abschließend bleibt zu sagen, dass die Reise von meiner Seite aus uneingeschränkt empfehlenswert ist und einen hohen Erlebniswert mit sich bringt.
Nicole Börger
(zufriedene Kundin der Reiseagentur Lingner)